Erste Hilfe

Aus Pfadiwiki

"Verhalten in Notfällen" umfasst viele Aspekte, "Erste Hilfe" ist ein wichtiger Teil davon.

Du kannst "erste Hilfe" in verschiedene Teilbereiche einteilen. Gehe bei der Erstbeurteilung grundsätzlich immer "vom schlimmsten" aus.

  • Erste Hilfe bei lebensbedrohenden Notfällen (Herzstillstand, Atemstillstand, starke Blutung, Herzinfarkt, Hirnschlag, Unterzuckerung bei Diabetes, Vergiftungen, etc.).
  • Erste Hilfe bei Notfällen die nicht lebensbedrohend sind, aber sofort ins Spital oder zum Arzt müssen (Brüche, Brandwunden je nach Grad und Grösse, Hirnerschütterungen
  • Erste Hilfe bei Bagatellverletzungen

Bei Lebensbedrohenden Notfällen gilt: "Der Patient ist ohne deine Hilfe bereits tot." Auch wenn er noch Lebenszeichen aufweist, würde er ohne versuchte erste Hilfe sicher sterben. Zeigt er trotz deiner ersten Hilfe keine Lebenszeichen mehr, ist dies der normale Lauf der Dinge. Du kannst diesen "normalen Lauf der Dinge" mit Reanimation etc. abzuwenden versuchen, du hast aber nicht "versagt" wenn du es nicht schaffst. Behalte das immer im Hinterkopf, es hilft dir später den Notfall selbst zu verarbeiten.

"Erste Hilfe" leistest du bei anderen lebensbedrohenden medizinischen Notfällen. Zu diesen

Erste Hilfe ist die Hilfe, die man unmittelbar nach einem Unfall leistet. Dazu gehört (in dieser Reihenfolge) das Absichern der Unfallstelle, das Alarmieren, die Reanimation und das Verarzten von Verletzten.

Versuche diese Reanimation immer, wer wiederbelebt werden muss "ist bereits tot" wenn du es nicht versuchst. Du kannst nur etwas falsch machen, du kannst es nicht versuchen. Musst du reanimieren und bist dabei unsicher dann alarmiere bevor du eine Reanimation beginnst. Die Mitarbeitenden in der Notfallzentrale leiten dich mündlich bei deinem Versuch zur Reanimation an.

In der Schweiz ist man verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten.

Erste Hilfe kann in einem Erste Hilfe Kurs (wird z.b. von Samaritern oder auch von einzelnen Kantonalverbänden angeboten) erlernt werden. Zudem kann man sich in einem CPR oder Rettungsschwimmer Kurs weiterbilden.

Grundsätze

Notfallsituationen verlangen ein ruhiges und überlegtes Handeln.

Jede Notfallsituation beginnt mit einer "Chaosphase" in der keine koordinierte Reaktion möglich ist. Die Chaosphase zeichtet sich einerseits durch ausbleibende Reaktionen (die möglichen Helfer sind "wie gelähmt") oder andrerseits durch übertriebene und gefährdende Reaktionen (die möglichen Helfer stürzen sich unüberlegt und unkoordiniert auf die Verletzten) aus. Versuche diese Chaosphase kurz zu halten. Das Ampelschema hilft dabei.


Oberste Priorität hat dabei die Sicherheit des Helfers. Es macht keinen Sinn wenn nach einer unüberlegten Hilfe nun zwei Verletzte zu versorgen sind. Deshalb sollte man nach dem so genannten Ampelschema Schauen – Denken – Handeln vorgehen

Schauen:

  • Unfallstelle überblicken
  • Zahl der Patienten? Art der Verletzungen (Grobbeurteilung)?
  • Besondere Umstände?
  • Zahl der möglichen Helfer?

Denken:

  • Folgegefahren erkennen
  • Wer übernimmt den Lead? Wer koordiniert?
  • Sind Hilfsmittel vorhanden?
  • Wo können Helfer eingesetzt werden?
  • Was sind die nötigen Sofortmassnahmen

Handeln:

  • Helfer ansprechen. Klare Aufträge verteilen.
  • Folgegefahren verhindern
  • Patienten, sofern notwendig, aus der Gefahrenzone bergen
  • Patienten Check (GABI)
  • Reanimatioen bzw. Lebensrettende Sofortmassnahmen (ABC)
  • Alarmieren
  • Weitere Massnahmen
  • Überwachen

Folgende Dinge sind unter anderem unbedingt zu berücksichtigen.

  • Wo liegen die Gefahren der Unfallstelle?
  • Wie kann ich Patienten aus der Gefahrenzone bringen, ohne mich selber zu gefährden?
  • Sind andere Helfer da? Welche Aufgaben kann ich delegieren? Gut delegiert werden können:
    • Alarmierung
    • Absicherung der Unfallstelle (Bei "Verkehr regeln" an die Warnweste denken.)
    • Wenn Reanimation notwendig und wenn in Urbanem Raum: Defibrilator (Defi) organisieren. Das 144 weiss wo der nächste Defi zu finden ist.
    • Zufahrende Notfalldienste einweisen
    • Sich um Zeugen kümmern
  • Welche Sofortmassnahmen sind notwendig?
  • Welche Patienten müssen am dringendsten versorgt werden?

Meldeschema (6W)

Falls Rettungskräfte alarmiert werden müssen, sollte man nach dem Meldeschema 6W vorgehen. Dies verhindert, das wichtige Sachen vergessen gehen.

Keine Panik wenn man die "6W" beim Anruf nicht präsent hat, die Notfalldienste fragen diese routiniert ab.

  • Wer? Vor- und Nachname der Melderin
  • Was? Art des Unfalles
  • Wann? Zeitpunkt des Unfalls
  • Wo? Genauer Unfallort- ganze Adresse oder Koordinaten
  • Wie viele? Anzahl der Verletzten, Art der Verletzungen
  • Weiteres? Besondere Umstände, z.B. Tankwagen, Zahlen auf orangen Tafeln, verstellte Bahngeleise


In Deutschland gilt die 5W Regel

  • Wo? Genauer Unfallort- ganze Adresse oder Koordinaten
  • Was? Art des Unfalles
  • Wie viele? Anzahl der Verletzten
  • Wie schwer? Art der Verletzungen
  • Warten! Auf Nachfagen warten


Notfallnummern

Sei vorbereitet. Wichtig ist es in der richtigen Situation auch die wichtigsten Notfallnummern zu wissen. Hier sind die wichtigsten der Schweiz:

  • Polizei: 117
  • Feuerwehr: 118
  • Rettungsdienst: 144
  • Tox-Zentrum: 145
  • REGA: 1414
  • Europäische Notrufzentrale: 112

Im Ausland können diese Nummern abweichen. Informiert euch vor Auslandlagern über die im Zielland gültigen Notfallnummern. Kennt ihr die Nummer nicht dann versucht die Nummern 112 und 999.

Gehts du auf die Skipiste, dann notiere dir die Nummer der Pistenrettung.

Smartphones kennen eine Notruffunktion, bei Android Smartphones ist diese erreichbar in dem der Ein-/Ausschaltknopf mehrere Sekunden gedrückt wird. Der Notruf über dies Funktion ist gratis und unabhängig von eurem Netzanbieter oder Gesprächsguthaben verfügbar. Macht euch mit dieser Funktion vertraut.

Im Notfall/Krisenfall: Pfadi-Helpline

Musst du Blaulichtorganisationen beiziehen, dann informiere immer auch die Pfadi-Helpline. Tel. 0800 22 36 39   (aus dem Ausland: +41 58 058 88 99 ) Die Pfadi-Helpline ist 7*24 erreichbar, 365 Tage im Jahr.

Notfallapps

echosos: Es ist den Rettungsdiensten im Normalfall nicht möglich, den Standort des Melders anhand eines Anrufes mit Smartphone zu ermitteln.

Wird die Notfallnummer via "echosos" gewählt, kann dies der Notfallzentrale mitgeteilt werden. Die Zentrale kann dann den Standort des Anrufenden leicht bestimmen.

Die App zeigt, abhängig zum Standort, die nahegelegendsten Spitäler mit Notfallstationen an.

"Einsatznachbesprechung" bzw. "Debriefing"

Notfälle sind auch für die Helfer immer eine belastende Situation. Nehmt euch nach einem Notfall die Zeit ihn untereinander zu besprechen.

  • Wo findest du, haben die anderen Helfenden gut reagiert?
  • Wo hast du gut reagiert?
  • Wie hättet ihr besser reagieren können? Was hat euch gefehlt?

Ein solches Debriefing hilft euch die Situation zu verarbeiten. Wenn die Situation für euch stark belastend war, dann lasst euch von Profis helfen. Die Pfadi-Helpline kann euch solche vermitteln.

Erste Hilfe üben

Macht nur wenige Pfadinachmittage die sich ausschliesslich mit erster Hilfe befassen. Solche Nachmittags sind OK als Vorbereitung für den Spezexer oder zum Erlernen der Grundsätze, ihr übt dabei aber nicht die korrekte Reaktion auf den überraschenden Notfall. Baut dafür überraschend auftretende gespielte Notfallsituationen in Pfadinachmittage, Lager etc. ein.

Weblinks